Vergleich – Selbstständikeit und Angestelltenverhältnis

Vergleich: Angestelltenverhältnis vs. Selbstständigkeit, die wichtigsten und größten Vorteile als Arbeitnehmer  

Wenn es um die berufliche Karriere und die Suche nach einem passenden Job geht, spielen die meisten früher oder später auch einmal mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen. Auf den ersten Blick scheint die Selbstständigkeit tatsächlich die optimale Variante zu sein. 

Schließlich ist der Selbstständige sein eigener Herr, muss sich nicht den Anweisungen von irgendwelchen Vorgesetzten beugen, kann sich seine Arbeitszeit frei einteilen und kann, wie erfolgreiche Unternehmer bewiesen haben, sehr reich werden und dazu auch noch VIP-Status erlangen.

In der Realität sieht es jedoch weit weniger rosig aus. Wer als Selbstständiger erfolgreich sein möchte, braucht nicht nur Mut und eine Portion Glück, sondern muss bereit sein, sehr viel harte Arbeit zu investieren. Aber selbst dann ist nicht garantiert, dass das Projekt Selbstständigkeit letztlich nicht doch scheitert. Unterm Strich ist es für die meisten außerdem einfacher, ihre beruflichen Ziele als Angestellter zu erreichen als in der Selbstständigkeit.

Warum dies so ist und welches die wichtigsten und größten Vorteile als Arbeitnehmer im Vergleich Angestelltenverhältnis vs. Selbstständigkeit sind, erklärt die folgende Übersicht:

Die Ausbildung

Das Ausbildungssystem hierzulande ist in erster Linie darauf ausgerichtet, qualifizierte Arbeitnehmer und Fachkräfte auszubilden. Unabhängig davon, ob jemand eine handwerkliche oder technische Ausbildung absolviert oder ein Fach wie Wirtschaft studiert, die erfolgreiche Gründung eines eigenen Unternehmens mit allem, was dazugehört, steht nicht auf dem Lehrplan. 

Im Berufsleben angekommen,  profitieren Angestellte dann von den Weiterentwicklungsmöglichkeiten, die ihnen ihr Arbeitgeber bietet. Gut ausgebildetes Personal ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Unternehmens und so investieren Arbeitgeber jedes Jahr Milliardenbeträge in Schulungen, Fortbildungen, Seminare und Trainings. 

Im Unterschied dazu agieren die meisten Selbstständigen nach dem Motto Leraning by Doing. Es gibt zwar auch für Selbstständige Seminare, Schulungen und Kurse, aber die wenigsten können sich zeitlich wie finanziell regelmäßige Weiterbildungen leisten. 

Der Start

Wer als Angestellter einen neuen Job beginnt, kann im Prinzip direkt loslegen. Der Arbeitsplatz ist nämlich bereits eingerichtet, um den Arbeitsvertrag, die Anmeldung bei der Sozialversicherung und die übrigen Formalitäten kümmert sich der Arbeitgeber und die Einarbeitung übernehmen die Kollegen, die auch bei Fragen zur Verfügung stehen. 

Der Start in die Selbstständigkeit sieht da schon ganz anders aus, denn ein Preis für die Freiheit und Unabhängigkeit ist, dass sich der Selbstständige selbst um alles kümmern muss. Natürlich kann sich auch der Selbstständige Unterstützung holen, aber der Rechtsanwalt, der Steuerberater, der Unternehmenscoach oder der Programmierer für die Homepage arbeiten nicht für ein Dankeschön, sondern gegen Rechnung. 

Gerade in der Anfangszeit kommen zahlreiche Aufgaben auf den Selbstständigen zu, angefangen bei Vertragsverhandlungen über den Kauf von Büromöbeln bis hin zum Druck von Visitenkarten, so dass für das eigentliche Geschäft nur eingeschränkt Zeit bleibt. Die ersten Umsätze fließen in Form von Investitionen meist direkt wieder in das Geschäft zurück, weshalb es oft Monate dauert, bis der Selbstständige erste echte Gewinne verbuchen kann. Der Angestellte hingegen hat sein Einkommen ab dem ersten Arbeitstag sicher. 

Die Arbeitszeiten

Angestellte haben feste, geregelte Arbeitszeiten. Zwar kann es auch einem angestellten Arbeitnehmer passieren, dass er Überstunden machen und gelegentlich an Wochenenden oder Feiertagen arbeiten muss, aber diese Zeiten werden durch Geld oder Freizeit abgegolten. Geregelte Arbeitszeiten kennt der Selbstständige dagegen in aller Regel nicht und auch eine 40-Stunden-Woche bleibt meist Wunschdenken. 

Hat der Selbstständige einen Auftrag, muss er diesen erfüllen, schlimmstenfalls indem er dafür den Feierabend und das Wochenende opfert. Andernfalls riskiert er den Eindruck, er habe den Auftrag nicht nötig oder würde die Sache nicht ganz ernst nehmen, was dann aber wiederum zur Folge haben kann, dass dieser Auftraggeber in Zukunft verloren ist. Noch deutlicher wird der Vorteil des Arbeitnehmers, wenn es um längere Unterbrechungen geht. 

Der Angestellte kann ganz beruhigt Urlaub machen und auch wenn er krank wird, laufen seine Lohn- oder Gehaltszahlungen weiter. Der Selbstständige hingegen verdient nur dann Geld, wenn er arbeitet. Krank zu werden ist somit immer mit finanziellen Einbußen verbunden und einen Urlaub oder eine längere Auszeit können sich, vor allem in der Anfangszeit, nur die wenigsten Selbstständigen leisten.   

Das Einkommen

Zweifelsohne gibt es Unternehmer, die mit einer guten Geschäftsidee Millionen, mitunter sogar Milliarden verdient haben. Sie bilden aber die Ausnahmen und bei dem Großteil der Selbstständigen sieht es finanziell nicht wirklich rosig aus. Allein ein Drittel aller Selbstständigkeiten in Deutschland übersteht die ersten drei Jahre nicht. 

Andere Selbstständige investieren massig Zeit und Kraft in ihr Unternehmen und kommen bestenfalls gut über die Runden. Um etwas für das Alter zur Seite zu legen, reichen die Mittel aber trotz harter Arbeit dennoch häufig nicht, weshalb laut offiziellen Statistiken Selbstständigen besonders oft die Altersarmut droht. Realistisch gesehen ist es zwar auch als Angestellter nahezu unmöglich, wirklich reich zu werden, aber wie Studien zeigen, verdienen 90 Prozent aller Angestellten mehr als Selbstständige. 

Hinzu kommt, dass Angestellte automatisch Beiträge in die Sozialversicherungen einzahlen und zudem ab dem ersten Tag des Arbeitsverhältnisses ein sicheres Einkommen erzielen, das in aller Regel jeden Monat pünktlich auf dem Konto eingeht.   

Die Sicherheit

Auch für den Angestellten gibt es keine Garantie, dass er seinen Arbeitsplatz ein Leben lang behält. Muss der Arbeitgeber Stellen abbauen, profitiert der Angestellte aber meist von einer Abfindung oder dem Sozialplan, der für die Übergangszeit einen finanziellen Ausgleich schafft.

Wird der Angestellte infolge einer Kündigung arbeitslos, fängt ihn das soziale Netz auf. Das Arbeitslosengeld fällt zwar geringer aus als das letzte Einkommen, sichert aber trotzdem den Lebensunterhalt. Eine solche Sicherheit gibt es für die meisten Selbstständigen nicht. 

Wird ein Auftraggeber insolvent, ist fraglich, ob die offenen Forderungen des selbstständigen Unternehmers wenigstens anteilig noch bezahlt werden. Muss der Selbstständige sein Unternehmen aufgeben, sieht es oft ganz düster aus, denn das soziale Netz sichert ihm bestenfalls ein Existenzminimum, der Schuldenberg aus der Selbstständigkeit aber bleibt. 

Finanzielle Angelegenheiten

Da der Angestellte ein regelmäßiges Einkommen vorweisen kann, genießt er in finanziellen Angelegenheiten einen Vertrauensvorschuss. Zwar wird auch ein Angestellter mit geringem Einkommen nicht ohne Weiteres die Zusage für einen sehr großen Kredit oder eine Baufinanzierung bekommen, ein kleinerer Ratenkredit oder ein gewisser Überziehungsrahmen für das Konto dürften aber kein Problem sein. 

Ähnlich sieht es aus, wenn es um eine Wohnung geht, denn auch für den Vermieter ist das regelmäßige Monatseinkommen ein wichtiges Kriterium. 

Der Selbstständige hat da schon deutlich schlechtere Karten. Der Vermieter wird sich durch plausible Zahlen der vergangenen Monate vermutlich noch überzeugen lassen, die Bank aber wird keinen Kredit gewähren, wenn der Selbstständige nicht zusätzlich zu seinem Businessplan und positiven Zahlen oder zumindest erfolgversprechenden Prognosen auch besondere Sicherheiten bieten kann.

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