Was spricht für einen Teilzeit-Job? 2. Teil

Was spricht für einen Teilzeit-Job? 2. Teil

In Deutschland entscheiden sich immer mehr Arbeitnehmer für einen Teilzeit-Job. Im Jahr 2015 haben über die Hälfte aller berufstätigen Frauen und rund ein Fünftel aller erwerbstätigen Männer in Teilzeit gearbeitet. Und die Tendenz ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Dabei bündelt der Begriff Teilzeit verschiedene Arbeitszeitmodelle.

Was spricht für einen Teilzeit-Job 2. Teil

Ihre große Gemeinsamkeit liegt darin, dass die Arbeitnehmer im Durchschnitt pro Woche weniger Stunden arbeiten als eine vergleichbare Vollzeitkraft. So entsteht die Grundlage für zahlreiche Varianten, wie das Beschäftigungsverhältnis konkret ausgestaltet werden kann. Die rechtliche Basis schafft im Wesentlichen das Teilzeitgesetz.

Warum sich ein Arbeitnehmer dazu entschließt, in Teilzeit tätig zu werden, kann verschiedene Gründe haben. Mal ist es die Familie, mal die Pflege eines Angehörigen, manchmal der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance oder der Plan, sich nebenher ein zweites Standbein aufzubauen.

So oder so stellen sich dann aber einige Fragen. Und die wichtigsten davon klären wir in einem zweiteiligen Beitrag. Dabei ging es im 1. Teil darum, was für einen Teilzeit-Job spricht und welche Teilzeit-Modelle es gibt.

Hier ist der 2. Teil!:

Was spricht aus Arbeitgebersicht für Teilzeit-Jobs?

Nicht nur für den Arbeitnehmer kann es Vorteile haben, wenn er dauerhaft oder für einen bestimmten Zeitraum von Vollzeit in Teilzeit wechselt. Auch der Arbeitgeber profitiert von Teilzeitmodellen.

Auf diese Weise kann er nämlich schwankende Auftragslagen im Wochen- und Jahresverlauf abfangen. Außerdem haben Untersuchungen gezeigt, dass Arbeitnehmer mit verkürzten Arbeitszeiten effizienter zu Werke gehen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sie ihre Aufgaben besser strukturieren, um sie in der verfügbaren Zeit fertig zu bekommen.

Ein anderer Aspekt ist, dass sich ein Unternehmen durch verschiedene Arbeitszeitmodelle als moderner, zeitgemäßer und damit attraktiver Arbeitgeber präsentieren kann.

Es erhöht die Loyalität und schafft ein gutes Betriebsklima, wenn der Arbeitgeber auf die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter eingeht und ihnen eben ermöglicht, Job und Familie besser unter einen Hut zu kriegen. Gleichzeitig spricht eine Stellenanzeige für eine Teilzeit-Tätigkeit einen breiteren Kreis an möglichen Bewerbern an.

Durch das Angebot, in Teilzeit zu arbeiten, kann ein Unternehmen zudem Fachkräfte an sich binden, die etwas kürzer treten wollen und sonst gekündigt oder den Arbeitgeber gewechselt hätten. Andersherum können qualifizierte Fachkräfte, die zum Beispiel aus der Elternzeit kommen, durch eine Teilzeit-Stelle möglicherweise früher an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Bedeutet ein Teilzeit-Job zwangsläufig weniger Einkommen?

Reduziert der Arbeitnehmer seine Arbeitzeit, fällt natürlich auch sein Verdienst geringer aus. An dieser Stelle spielt die persönliche Ausgangssituation eine maßgebliche Rolle. Bei einem Paar, bei dem beide Partner berufstätig sind, eröffnet ein Job in Teilzeit die Chance, mehr Zeit miteinander zu verbringen.

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Gleichzeitig fällt das geringere Einkommen vielleicht nicht ganz so ins Gewicht. Ist der Arbeitnehmer alleinstehend, muss er durchrechnen, ob er seinen Lebensunterhalt auch dann noch gut bestreiten kann, wenn er weniger verdient.

Viele Arbeitnehmer verzichten zeitweise auf eine Vollzeitstelle, weil sie beruflich kürzer treten oder sich intensiver um die Familie kümmern wollen. Möchte sich der Arbeitnehmer aber ein zweites Standbein aufbauen oder durch einen Minijob in ein anderes Berufsfeld hineinschnuppern, bietet ihm der Teilzeit-Job Sicherheit.

Schließlich hat er dadurch ein festes Einkommen und die Sozialversicherungen sind abgedeckt. So kann er deutlich entspannter den Wechsel vorbereiten.

Wer auf große Urlaubsreisen, ein neues Auto und ähnliche Dinge verzichten kann, kann die finanziellen Einbußen verschmerzen. Zumal er durch den Teilzeit-Job Zeit gewinnt, die er anderweitig nutzen kann.

Außerdem sind die Unterschiede oft gar nicht so groß. Das liegt daran, dass sich in erster Linie das Bruttoeinkommen verändert. Für das niedrigere Bruttoeinkommen bezahlt der Arbeitnehmer nämlich weniger Steuern und Sozialabgaben.

Fährt er nicht mehr an fünf, sondern nur noch an drei oder vier Tagen in die Arbeit, sinken zudem die Fahrtkosten. Unterm Strich hat der Arbeitnehmer durch die Teilzeitstelle deshalb oft gar nicht viel weniger im Geldbeutel als bei einer Vollzeitstelle.

Was spricht gegen einen Teilzeit-Job?

Auch wenn ein Teilzeit-Job Vorteile bietet, muss sich der Arbeitnehmer darüber im Klaren sein, dass es ebenso Nachteile gibt. Dazu gehört, dass das geringere Bruttoeinkommen zu niedrigeren Rentenansprüchen führt. Denn wenn der Arbeitnehmer weniger in die Rentenkasse einzahlt, bekommt er später eben auch weniger heraus.

Ein anderer Punkt ist, dass sich die Karrierechancen verschlechtern. Wenn Beförderungen anstehen, werden eher Mitarbeiter berücksichtigt, die in Vollzeit im Betrieb arbeiten. Bei betriebsbedingten Kündigungen trennen sich Arbeitgeber ebenfalls oft zuerst von Teilzeitkräften statt von Mitarbeitern in Vollzeit.

Letztlich muss der Arbeitnehmer für sich selbst entscheiden, was für ihn die beste Lösung ist. Möchte er Karriere machen, viel Geld verdienen und geht er in seinem Beruf voll auf, wäre es unlogisch, die Arbeitszeit nach unten zu schrauben.

Will er hingegen mehr Zeit für sich selbst, seine Familie oder seine Hobbys haben, kann es der ideale Weg sein, beruflich etwas kürzer zu treten.

Und dank der gesetzlich verankerten Brückenteilzeit ist es heute deutlich einfacher, seine eigenen Lebenspläne umzusetzen und nach einiger Zeit dann beruflich wieder voll durchzustarten.

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Torben Steuer, 44 Jahre, Personaler, Martin Bachmann, 37 Jahre, Inhaber einer Zeitarbeitsagentur, Martina Schulz, 42 Jahre, Bewerbungs- und Personaltrainerin, sowie Christian Gülcan Betreiber und Redakteur dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Ratgeber und Tipps zum Thema Jobs, Weiterbildung, Berufe, Bewerbungen und die Jobsuche.

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