Dem Chef die Meinung sagen – Infos und Tipps

Dem Chef die Meinung sagen – Infos und Tipps

Vielen Arbeitnehmern fallen bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen ihres Vorgesetzten unangenehm auf. Teilweise leidet darunter das Verhältnis zum Chef. Doch ihre Kritik oder ihren Unmut äußern sie bestenfalls gegenüber den Kollegen. Dem Chef persönlich die Meinung zu sagen, trauen sich nur wenige. Es ist nicht ungewöhnlich, sich hin und wieder über den Chef zu ärgern. Allerdings erfährt der Chef das eher selten.

Dem Chef die Meinung sagen - Infos und Tipps

Zumal es nicht nur Überwindung kostet, dem Chef ein Feedback zu geben. Vielmehr steht längst nicht jeder Vorgesetzte einem ehrlichen Feedback offen gegenüber. Eine Führungskraft räumt nicht so gerne Fehler ein und neigt dazu, bei Kritik in eine rechtfertigende Haltung zu verfallen. Das Ego steht dem Willen, sich weiterzuentwickeln, mitunter im Weg.

Wir haben Infos und Tipps zusammengetragen, wie es gelingt, dem Chef so die Meinung zu sagen, dass beide Seiten etwas von dem Gespräch haben:

Sich an der Führung beteiligen

Neben dem Management können auch Mitarbeiter einen Beitrag zur Unternehmensführung leisten. Sie beteiligen sich, indem sie als Team einige Aspekte des Führungsverhaltens gutheißen und andere nicht. Im Vordergrund stehen dabei die Fragen,

  • was die Mitarbeiter von ihrem Chef erwarten, brauchen und sich wünschen.

  • wie das Team geführt werden muss, um die Leistungsfähigkeit und das Potenzial voll auszuschöpfen und erfolgreich agieren zu können.

Niemand kann diese Fragen besser beantworten als das Team selbst. Wie sich das Führungsverhalten gestaltet, erleben die Mitarbeiter jeden Tag hautnah und kommen dabei mitunter zu einer ganz anderen Einschätzung als der Vorgesetzte.

Erwartungen definieren

Ist ein Mitarbeiter unzufrieden damit, wie der Chef das Team führt, sollte er es nicht beim Meckern belassen. Gleiches gilt, wenn er der Meinung ist, dass die Motivation nachlässt oder die Leistungen besser sein könnten.

Ein erster wichtiger Schritt ist dann, die Erwartungen an das Verhalten der Führungskraft für sich selbst und im Team zu klären. Jeder Mitarbeiter hat andere Bedürfnisse und seine eigene Vorstellung davon, was gute Führung ausmacht.

Während sich der eine Mitarbeiter mehr Verantwortung, größere Freiräume und weniger Kontrolle wünscht, braucht ein anderer Mitarbeiter möglicherweise genau andersherum klare Ansagen, mehr Unterstützung und viel Sicherheit.

Einen guten Zeitpunkt für das Gespräch auswählen

Möchte der Mitarbeiter dem Chef eine Rückmeldung geben und die Meinung sagen, sollte er sich auf das Gespräch vorbereiten. Dazu gehört zum einen, sich konkrete Anhaltspunkte mit passenden Beispielen zu überlegen.

Zum anderen muss der Mitarbeiter den richtigen Zeitpunkt finden. Ein spontaner Ausbruch aus Wut, Enttäuschung oder Frust heraus bringt genauso wenig wie eine Attacke in Gegenwart anderer.

Besser ist eine Situation, in der sich der Mitarbeiter gut und sicher fühlt. Außerdem sollte die Möglichkeit bestehen, sich in Ruhe zu unterhalten. Ist das Anliegen des Mitarbeiters wichtig, ist oft die beste Lösung, einen Besprechungstermin zu vereinbaren.

Das Ego der Führungskraft berücksichtigen

Der Mitarbeiter sollte sich in die Rolle des Chefs hineinversetzen. Viele Führungskräfte glauben, dass sie nach außen hin den Eindruck vermitteln müssten, alles zu können und zu wissen, stets eine Lösung parat zu haben und hundertprozentig hinter jeder Entscheidung zu stehen. Selbstzweifel, Unsicherheiten oder Schwäche haben da keinen Platz.

Rüttelt der Mitarbeiter an diesem Bild, ruft er mit großer Wahrscheinlichkeit Gegenwehr hervor. Denn für den Chef ist es nicht leicht, über seinen Schatten zu springen und Kritik anzunehmen oder Fehler einzuräumen. Hinzu kommt oft die Befürchtung, der Mitarbeiter könnte Erwartungen äußern, denen der Chef nicht gerecht werden kann.

Der Mitarbeiter sollte sich eine Strategie für den Umgang mit den Reaktionen des Chefs zurechtlegen. Das Ziel des Gesprächs sollte zunächst sein, dem Chef ein ehrliches Feedback zu geben, so wie es der Chef andersherum bei Mitarbeitergesprächen ebenfalls tut.

Es geht nicht darum, ihn anzugreifen, sondern durch konstruktive Kritik zur Einsicht zu bringen. Erst am Ende des Gesprächs können Absprachen für die Zukunft getroffen werden.

An die Vorbildfunktion erinnern

Der Chef ist dafür zuständig, sein Team zu führen und zu managen. Er gibt die Rahmenbedingungen für die Gesprächs- und Feedbackkultur vor und stellt die Weichen für ein Umfeld, in dem sich die Mitarbeiter entfalten und Bestleistungen erbringen können. Dazu gehört auch, dass er offen und bereit ist, seinem Team zuzuhören.

Dadurch, dass der Mitarbeiter dem Chef seine Meinung sagt, teilt er ihm mit, was er braucht, um motiviert einen guten Job zu machen. Insofern kann sich der Chef gar nicht herauswinden, wenn er nicht an Glaubwürdigkeit verlieren will.

Vor allem bei einem schwierigen Chef kann es sich deshalb auszahlen, wenn der Mitarbeiter an die Vorbildfunktion erinnert und den Chef beim Pflichtgefühl packt.

Die eigenen Wahrnehmungen kommunizieren

Führungskräfte neigen dazu, die Gesprächsführung übernehmen zu wollen. Driftet der Chef in einen Monolog ab, sollte der Mitarbeiter einhaken und den Chef bitten, ihm jetzt zuzuhören. Anschließend sollte der Mitarbeiter klar und verständlich von seinen ganz persönlichen Bedürfnissen, Erwartungen und Empfindungen sprechen.

Wahrnehmungen sind keine Wahrheiten, sondern Beschreibungen der subjektiven Wirklichkeit. Sagt der Mitarbeiter dem Chef die Meinung, drückt er also seine individuelle Wirklichkeit aus. Diese Ansichten sind nicht angreifbar oder infrage zu stellen, denn sie spiegeln wider, was der Mitarbeiter erlebt.

Haben sich der Mitarbeiter und der Chef über ihre jeweilige Sicht der Dinge ausgetauscht, können sie Vereinbarungen für die Zukunft treffen. Ein Feedback hat wenig Sinn, wenn danach alles beim Alten bleibt. Dazu muss der Chef wissen, was er an seinem Führungsverhalten ändern soll.

Andersherum sollte der Mitarbeiter nicht erwarten, dass es sofort Effekte gibt. Ein Feedback ist dann erfolgreich, wenn es langfristig Wirkung zeigt. Dazu kann notwendig sein, dem Chef gelegentlich eine Rückmeldung zu geben.

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Torben Steuer, 44 Jahre, Personaler, Martin Bachmann, 37 Jahre, Inhaber einer Zeitarbeitsagentur, Martina Schulz, 42 Jahre, Bewerbungs- und Personaltrainerin, sowie Christian Gülcan Betreiber und Redakteur dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Ratgeber und Tipps zum Thema Jobs, Weiterbildung, Berufe, Bewerbungen und die Jobsuche.

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