Warum Überpünktlichkeit der Karriere schadet

Warum Überpünktlichkeit der Karriere schadet

Unpünktlichkeit wirkt unprofessionell und unhöflich. Im Berufsleben können die ständigen Verspätungen außerdem Abmahnungen und sogar die Kündigung zur Folge haben. Doch andersherum kann auch eine andauernde Überpünktlichkeit der Karriere schaden.

Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit” besagt eine alte Volksweisheit. Und dieser Spruch hat nach wie vor Bestand. Pünktlichkeit gilt als eine Tugend und schon kleine Kinder lernen, dass Pünktlichkeit wichtig ist.

Die Erzieherin im Kindergarten schimpft genauso wie der Lehrer in der Schule, wenn ein Kind ständig zu spät kommt. Auch im Privatleben kommt es alles andere als gut an, wenn jemand seine Mitmenschen regelmäßig warten lässt. Und im Job gilt Unpünktlichkeit als No-Go.

Erscheint ein Arbeitnehmer dauernd mit Verspätung an seinem Arbeitsplatz, zieht er nicht nur den Unmut seiner Kollegen und seines Vorgesetzten auf sich. Stattdessen muss er damit rechnen, dass seine chronische Unpünktlichkeit irgendwann eine Abmahnung und schlimmstenfalls sogar die Kündigung zur Folge haben wird.

Im Umkehrschluss könnte der Arbeitnehmer nun annehmen, dass er auf der sicheren Seite ist, wenn er regelmäßig zu früh kommt. Aber auch das ist so nicht richtig. Wenn er ständig vor der Zeit da ist, hinterlässt das letztlich einen genauso schlechten Eindruck wie Unpünktlichkeit. Wieso? Hier sind fünf Gründe, warum Überpünktlichkeit der Karriere schadet – oder jedenfalls nicht unbedingt förderlich ist.

 

  1. Überpünktlichkeit setzt andere unter Druck.

Angenommen, ein Bewerber wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Dass er sich zu diesem Termin nicht verspäten darf, versteht sich von selbst. Um kein Risiko einzugehen, macht er sich also frühzeitig auf den Weg. Im Ergebnis ist er rund eine halbe Stunde vor dem Termin da und wartet vor der Tür des Personalers.

Was passiert? Der Personaler schaut erst einmal irritiert auf die Uhr, um sicherzugehen, dass er die Zeit nicht vergessen hat. Anschließend sucht er schnell die notwendigen Unterlagen zusammen. Er schaut sie nicht noch einmal durch, was er eigentlich vorhatte, sondern ruft den Bewerber gleich herein.

Den Bewerber vor der Tür warten zu lassen, verursacht nämlich ein unangenehmes Gefühl. Vielleicht fühlt sich der Personaler gestresst, vielleicht ist er ein wenig genervt. Für das Vorstellungsgespräch ist das aber sicher nicht die beste Ausgangssituation.

Was für ein Vorstellungsgespräch gilt, ist auch bei Meetings, Treffen mit Kunden und anderen geschäftlichen Terminen nicht anders. Die Überpünktlichkeit setzt die Gesprächspartner unter Druck und verursacht unnötigen Stress. Das wiederum kann die Gesprächsatmosphäre deutlich beeinträchtigen.

 

  1. Der Arbeitnehmer wirkt überkorrekt und unsympathisch.

Es gibt Menschen, die steif und überkorrekt wirken. Überpünktlichkeit trägt zu diesem Eindruck bei. Denn wenn jemand ständig weit vor der Zeit schon da ist, signalisiert er, dass er sich keine Fehler leisten und die Regeln streng einhalten möchte. Schaut er dann noch auf die Uhr, wenn die Kollegen erscheinen, wirkt das überheblich. Es scheint, also würde er die Kollegen kontrollieren oder gar ermahnen wollen.

Ein solches Verhalten hat zwei Folgen. Zum einen kommt der stets überpünktliche Mitarbeiter nicht sehr sympathisch rüber und macht sich im Team nicht unbedingt Freude. Zum anderen kann dem Mitarbeiter schnell die Rolle des karrieregeilen Schleimers zugesprochen werden, der alles tut, um vor dem Chef gut dazustehen.

Die Kollegen werden diesem Mitarbeiter dann aber ganz genau auf die Finger schauen und regelrecht darauf warten, dass er einen Fehler macht, den sie gehässig kommentieren und spöttisch auskosten können.

 

  1. Ständiges Zufrühkommen kann als Schwäche ausgelegt werden.

Die Kollegen können die chronische Überpünktlichkeit als Arroganz und Egoismus auslegen und dem Arbeitnehmer unterstellen, er wolle sie ausstechen und auf der Karriereleiter überholen. Aber die Kollegen können die Überpünktlichkeit auch anders deuten, nämlich als Schwäche. Sie könnten annehmen, der Arbeitnehmer hätte nichts Besseres zu tun und insgesamt ziemlich viel Zeit.

Schließlich würde er sonst ja nicht jeden Tag schon eine halbe Stunde vor Dienstbeginn schon an seinem Arbeitsplatz sein. Die Folge davon kann sein, dass die Kollegen dem Arbeitnehmer zusätzliche Arbeit aufladen, ihm Extra-Aufgaben übertragen oder ihn bitten, ihnen zu helfen.

Denn wenn der Arbeitnehmer sowieso schon da ist, dann kann er ja auch gleich mit anpacken. Ist der Arbeitnehmer auch noch jemand, der nur schlecht Nein sagen kann, ist die Gefahr groß, dass seine Überpünktlichkeit dazu führt, dass er ausgenutzt wird.

 

  1. Der Arbeitnehmer verschenkt seine Zeit.

Angenommen, der Arbeitnehmer ist jeden Tag eine halbe Stunde früher am Arbeitsplatz als er müsste. Bei einer Fünf-Tage-Woche kommen so zweieinhalb Stunden zusammen. Hochgerechnet auf den Monat, macht das gut und gerne zehn Stunden. Bekommt der Arbeitnehmer diese zehn Stunden nicht bezahlt, weil sie nicht als Überstunden angerechnet werden, sondern weil der Arbeitnehmer einfach nur so vor Ort ist, verschenkt er schlichtweg seine Zeit.

 

  1. Der Einsatz wird nicht honoriert.

Vielleicht erhofft sich der Arbeitnehmer ja, dass sein Chef den überpünktlichen Arbeitsantritt honoriert, indem er beispielsweise lobende Worte findet, einer Gehaltserhöhung zustimmt oder den Arbeitnehmer bei der nächsten Beförderung berücksichtigt. Auch an diesem Punkt sollte sich der Arbeitnehmer keine falschen Hoffnungen machen.

Denn wenn der Chef nicht ebenfalls überpünktlich ist, wird ihm das Engagement des Arbeitnehmers gar nicht auffallen. Und selbst wenn der Chef bemerkt, dass der Arbeitnehmer regelmäßig früher da ist, wird er das vermutlich als einen Umstand hinnehmen, der eben so ist.

 

Fazit

Überpünktlichkeit zahlt sich nicht aus. Der Arbeitnehmer wird zum Außenseiter und macht sich das Arbeitsleben nur unnötig schwer, wenn er ständig zu früh erscheint. Er provoziert Missverständnisse und gibt Fehlinterpretationen Raum. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn er fünf oder zehn Minuten vor der Zeit da ist.

Ganz im Gegenteil gehört diese Pünktlichkeit zum guten Ton. Und am Ende des Tages ist Unpünktlichkeit zweifelsohne der größere Karrierekiller. Trotzdem ist es weder notwendig noch karrierefördernd, wenn der Arbeitnehmer chronisch überpünktlich ist.

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Redakteure

Torben Steuer, 44 Jahre, Personaler, Martin Bachmann, 37 Jahre, Inhaber einer Zeitarbeitsagentur, Martina Schulz, 42 Jahre, Bewerbungs- und Personaltrainerin, schreiben hier Wissenswertes, Ratgeber und Tipps zum Thema Jobs, Weiterbildung, Berufe, Bewerbungen und die Jobsuche.

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