Tipps zur Bewerbung nach der Elternzeit, 2. Teil

Tipps zur Bewerbung nach der Elternzeit, 2. Teil

Es gibt zwar verschiedene Modelle und Väter beteiligen sich immer häufiger an der Kinderbetreuung. Trotzdem ist es meist nach wie vor die Frau, die zugunsten der Familie zumindest zeitweise auf ihre berufliche Karriere verzichtet.

Elternzeit

Doch wenn die Kids größer sind, möchten oder müssen viele Frauen wieder arbeiten gehen. Nur gestaltet sich der Wiedereinstieg oft schwieriger als vermutet.

Wir haben deshalb einen ausführlichen Ratgeber mit Infos und Tipps zur Bewerbung nach der Elternzeit zusammengestellt. Im 1. Teil haben wir verraten, was wichtig ist, wenn es nach der Elternzeit an den früheren Arbeitsplatz zurückgehen soll. Außerdem haben wir aufgezeigt, worauf es ankommt, wenn ein beruflicher Neustart geplant ist. Und wir haben erklärt, wie die Arbeitsagentur weiterhelfen kann.

Jetzt, im 2. Teil, kümmern wir uns um
die typischen Fehler und die Bewerbung selbst:

 

Die typischen Fehler bei der Bewerbung nach der Elternzeit

Die Mutter (oder der Vater) freut sich auf die neuen Aufgaben. Sie möchte sich der beruflichen Herausforderung stellen, das Team unterstützen und sich einbringen. Diese Motivation muss in der Bewerbung deutlich werden. Gleichzeitig muss die Mutter vermitteln, welche Kenntnisse und Fähigkeiten sie für den neuen Job mitbringt. Außerdem muss klar werden, dass sie eine zuverlässige Mitarbeiterin ist, auf die sich der Arbeitgeber verlassen kann.

Nun gibt es aber ein paar Fehler, die in vielen Bewerbungen von Berufsrückkehrern zu finden sind. Und oft sind es gerade diese Fehler, die im Ergebnis eine Absage zur Folge haben.

Konkret geht es dabei um diese drei Stolpersteine:

 

  1. Fehler: Im Lebenslauf gibt es eine Lücke.

Eigentlich muss die Mutter in ihrer Bewerbung keinerlei Angaben zu ihrem Familienstand machen. Sie muss also weder erwähnen, ob sie verheiratet ist, noch, ob und wie viele Kinder sie hat. Deshalb müsste sie im Prinzip auch nicht auf die Elternzeit eingehen. Lässt sie diese Information aber weg, ergibt sich eine Lücke im Lebenslauf.

Liegt der Schulabschluss, die Berufsausbildung oder die letzte berufliche Tätigkeit einige Zeit zurück und gibt es keine Angaben dazu, was die Mutter in der Zwischenzeit gemacht hat, wirft das Fragen auf. Auch wenn die Mutter Weiterbildungen oder besuchte Kurse aufzählt, wird der Personaler oft nicht richtig einordnen können, was es damit auf sich hat. Deshalb ist es in aller Regel besser, wenn die Mutter den entsprechenden Zeitraum als Elternzeit ausweist. Auf diese Weise bleibt der Lebenslauf lückenlos.

 

  1. Fehler: Die Frage nach der Kinderbetreuung bleibt offen.

Durch die Angabe der Elternzeit weiß der Personaler, dass die Bewerberin Mutter ist. Folglich stellt sich für ihn die Frage nach der Kinderbetreuung. Denn für den Arbeitgeber ist – verständlicherweise – wichtig, dass er auf seine Mitarbeiter zählen kann.

Er will nicht riskieren, dass er regelmäßig Mitarbeiter suchen muss, die für die Mutter einspringen, weil ihre Kinder krank sind oder sie keinen Babysitter gefunden hat und deshalb ausfällt. Die Mutter sollte daher schon im Anschreiben verdeutlichen, dass sie die Betreuung und Versorgung ihrer Kids während der Arbeitszeiten gut organisiert hat.

 

  1. Fehler: Der Fokus liegt nicht auf den Stärken.

Im Wort Bewerbung steckt das Wort Werbung – und eine Bewerbung ist letztlich nichts anderes als Werbung in eigener Sache. Es geht also darum, dass die Mutter sich und ihre Stärken präsentiert und dem Personaler vermittelt, warum sie die richtige Besetzung für die freie Stelle ist.

War die Mutter längere Zeit aus dem Berufsleben raus, ist das zwar nicht die beste Ausgangssituation. Aber auch während der Elternzeit hat die Mutter Erfahrungen gesammelt, die ihr im Berufsleben zugutekommen werden. Belastbarkeit, Flexibilität, Organisationstalent oder Einfühlungsvermögen sind beispielsweise Soft Skills, die die Mutter mitbringt.

Die Mutter sollte sich also nicht kleiner machen, als sie ist. Vielmehr sollte sie selbstbewusst vermitteln, was sie kann und als Mitarbeiterin zu bieten hat. Sie sollte die Aufmerksamkeit auf ihre Ausbildung, die beruflichen Qualifikationen und ihre Berufspraxis lenken. Außerdem sollte sie die Stärken auf den Punkt bringen, die sie als Person ausmachen und die sie durch ihre Muterrolle ausgebaut hat.

 

Tipps für das Anschreiben

Das Bewerbungsanschreiben muss auf die Stellenanzeige, die Tätigkeit und das Unternehmen abgestimmt sein.

  • Warum möchte die Frau gerade diesen Job haben und ausgerechnet für dieses Unternehmen tätig werden?
  • Welche Anforderungen sind in der Stellenanzeige genannt und wie kann die Frau belegen, dass sie diese Voraussetzungen mitbringt?
  • Was macht die Frau zur richtigen Besetzung für die Stelle?

Das sind die Fragen, die das Bewerbungsanschreiben beantworten sollte. Selbstverständlich kann die Mutter erwähnen, dass die trotz Elternzeit beruflich tätig war. Und natürlich kann sie kurz darauf eingehen, welche Kenntnisse sie sich während der Familien-Auszeit angeeignet hat. Aber sie sollte die Elternzeit nicht zum Hauptthema machen.

Den Personaler interessiert nicht, wie die Frau ihren Familienalltag gestaltet oder wie sie ihre Kinder erzieht. Für ihn zählt, ob die Frau eine geeignete Kandidatin ist, die für die Stelle in Frage kommt und bei der sich ein persönliches Kennenlernen lohnen könnte.

Dass die Frau in Elternzeit war, sollte also nur ein Thema am Rande sein. Die Qualifikationen, das fachliche Know-how und die Motivation für den Job sind die Punkte, die im Mittelpunkt stehen müssen.

 

Tipps für den Lebenslauf

Im Anschreiben führt die Mutter aus, warum sie den Job will und was sie dafür mitbringt. Der Lebenslauf soll den Werdegang nun lückenlos dokumentieren. Aus diesem Grund gehört die Elternzeit auch in den Lebenslauf.

Hat die Frau während der Elternzeit eine Umschulung gemacht, Kurse besucht, an Fortbildungen teilgenommen oder sich anderweitig weitergebildet, kann sie die Elternzeit wie eine berufliche Station darstellen. In der Rubrik „beruflicher Werdegang“ ist die Elternzeit dann ein eigener Punkt. Wie bei einem Job beschreibt die Mutter hier mit aussagekräftigen Stichworten, was genau sie gemacht hat. Optimal ist, wenn sie die erworbenen Kenntnisse so ausführen kann, dass ein Bezug zum Stellenprofil entsteht.

Eine Alternative wäre, die Elternzeit als eigene Rubrik in den Lebenslauf einzubauen. Allerdings ist das nur dann sinnvoll, wenn es genug Inhalte für eine solche Rubrik gibt. Das wäre der Fall, wenn die Frau während der Elternzeit mehreren beruflichen Aktivitäten nachgegangen ist. Hat sich die Frau während ihrer Elternzeit auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter konzentriert und den Beruf außen vor gelassen, findet die Elternzeit mit dem dazugehörigen Zeitraum als Stichwort in der Rubrik „Sonstige Kenntnisse“ den richtigen Platz.

 

Die Tipps zur Bewerbung nach der Elternzeit noch einmal kurz zusammengefasst

Letztlich macht es keinen Unterschied, ob sich die Mutter – oder der Vater – nach der Elternzeit oder aus einer anderen Situation heraus um einen Job bewirbt. Die Bewerbung folgt den gleichen Regeln. Doch damit die Rückkehr in die Arbeitswelt nicht unnötig schwer wird, sollte die Frau folgende Tipps beherzigen:

  • Auch während der Elternzeit sollte der Beruf nicht aus dem Blickfeld geraten. Die Mutter sollte versuchen, die Elternzeit für eine fachliche und persönliche Weiterentwicklung zu nutzen.
  • Die Bewerbung sollte das fachliche Know-how, die Berufserfahrung und die persönlichen Stärken in den Fokus rücken. Dabei sollte die Frau auch die Kenntnisse und Fähigkeiten nicht vergessen, die sie gerade durch ihr Dasein als Mutter gelernt und vertieft hat.
  • Um Lücken im Lebenslauf zu vermeiden, sollte die Frau die Elternzeit angeben. Aber sie sollte der familiären Auszeit keine Hauptrolle zuweisen und nicht zu sehr darauf gehen.
  • Die Frau sollte vermitteln, dass sie motiviert ist und beruflich wieder voll durchstarten will. Gleichzeitig sollte sie klarstellen, dass sie die notwendigen Vorkehrungen dafür – insbesondere mit Blick auf die Kinderbetreuung – getroffen hat.

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Veröffentlicht von

Redakteure

Torben Steuer, 44 Jahre, Personaler, Martin Bachmann, 37 Jahre, Inhaber einer Zeitarbeitsagentur, Martina Schulz, 42 Jahre, Bewerbungs- und Personaltrainerin, schreiben hier Wissenswertes, Ratgeber und Tipps zum Thema Jobs, Weiterbildung, Berufe, Bewerbungen und die Jobsuche.

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