Wie wichtig sind Zeugnisse in der Bewerbung wirklich?

Wie wichtig sind Zeugnisse (in der Bewerbungsmappe) eigentlich wirklich? 

Zu den Standardunterlagen in praktisch jeder Bewerbung gehören das Anschreiben, der Lebenslauf und Zeugnisse. Während das Anschreiben die eigene Motivation und Qualifikation schildert, beschreibt der Lebenslauf den bisherigen Werdegang in präziser, übersichtlicher Form. 

Die Zeugnisse wiederum belegen die gemachten Angaben und geben die Einschätzungen der bisherigen Arbeitgeber wieder.

Nun handelt es sich bei vielen Arbeitszeugnissen aber nicht nur um standardisierte Schreiben, sondern Arbeitnehmern werden zudem auch immer bessere Zeugnisse ausgestellt. 

Daraus ergibt sich die Frage, welche Aussagekraft Arbeitszeugnisse überhaupt noch haben und wie wichtig sie für die Bewerbung tatsächlich sind:  

Was steht in einem Arbeitszeugnis?

Die Aussagen und Bewertungen in einem Arbeitszeugnis sind fast immer positiv formuliert. Der Laie freut sich daher über sein vermeintlich gutes Zeugnis und wundert sich umso mehr, wenn seine Bewerbungen um einen neuen Job wenig erfolgreich verlaufen. Nicht alles, was in einem Arbeitszeugnis positiv klingt, ist aber auch tatsächlich so gemeint. Wird einem Arbeitnehmer beispielsweise bescheinigt, dass er alle ihm übertragenen Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß erledigt hat, war er zwar ein zuverlässiger Mitarbeiter. 

Gleichzeitig sagt die Formulierung aber auch aus, dass er sich nur auf die ihm übertragenen Aufgaben konzentriert und keine Eigeninitiative gezeigt hat. Wird einem Arbeitnehmer bescheinigt, er sei bei Kollegen, Kunden und Vorgesetzen beliebt gewesen, hat es vermutlich Ärger mit dem Chef gegeben, denn hier ist die Reihenfolge der genannten Personen entscheidend.

Eigentlich sind geheime Codes in Arbeitszeugnissen gemäß der Gewerbeordnung unzulässig. Schon in den 1960er-Jahren urteilte der Bundesgerichtshof, dass ein Arbeitnehmer den Anspruch auf ein klares und verständliches Arbeitzeugnis ohne versteckte negative Formulierungen hat. 

Zudem gilt bis heute der Grundsatz, dass die Bewertungen wohlwollend formuliert sein müssen, denn das Arbeitszeugnis soll die Suche nach einem neuen Job nicht erschweren oder gar behindern. Gerade diese Vorgabe, dass eben auch schlechtere Leistungen wohlwollend dargestellt werden müssen, führt aber letztlich dazu, dass sich negative Aussagen durch positiv formulierte Codes tarnen. 

Neben übertrieben positiv formulierten Aussagen sind Elemente, die schlichtweg fehlen, ein Indiz für ein schlechtes Zeugnis. Selbst wenn Personaler ein Zeugnis nur kurz überfliegen, fällt ihnen auf, wenn grundlegende Aussagen fehlen oder Unstimmigkeiten enthalten sind.

Wichtig ist daher ein einheitlicher Aufbau, der den Standards entspricht. Dabei beginnt ein Zeugnis mit einer Einleitung samt Grundangaben und einer kurzen Beschreibung der beruflichen Entwicklung.

Im nächsten Abschnitt wird die ausgeführte Tätigkeit beschrieben, danach folgt eine Beurteilung der Leistung mit Bewertungen der Motivation, der Arbeitweise, den Erfolgen, den Weiterbildungen und der Leistung insgesamt. 

Daran schließt sich eine Bewertung des sozialen Verhaltens an. Im Schlussteil wird begründet, weshalb das Arbeitsverhältnis endete, außerdem werden der Dank für die geleistete Arbeit, das Bedauern über das Ende der Zusammenarbeit und die Wünsche für den weiteren Weg ausgedrückt. 

Fehlen einzelne Elemente oder bestimmte Schlüsselwörter, ist dies ein Hinweis darauf, dass nicht alles rund lief. Gleiches gilt, wenn das Arbeitszeugnis erst deutlich nach dem Austritt aus dem Unternehmen ausgestellt wurde oder ein krummes Datum als Ende des Arbeitsverhältnisses aufgeführt ist. Während der erste Fall auf Streitigkeiten bei der Zeugnisausstellung hinweisen kann, deutet ein krummes Austrittsdatum auf eine fristlose Kündigung hin. 

Wie wichtig sind Zeugnisse und Arbeitszeugnisse in der Bewerbung wirklich? 

In den vergangenen Jahren hat sich die Sprache in Arbeitszeugnissen verändert und Zeugnisse werden nicht nur immer positiver formuliert, sondern insgesamt werden auch immer bessere Arbeitszeugnisse ausgestellt. Dies hat einerseits zur Folge, dass es für Bewerber mit schlechten Zeugnissen zunehmend schwerer wird.

Andererseits verlieren Arbeitszeugnisse aber auch an Aussagekraft, wodurch das Anschreiben, die Qualifikation und der Gesamteindruck deutlicher in den Vordergrund rücken. Viele Personaler achten daher mittlerweile vor allem darauf, ob die aufgeführten Angaben, Erfahrungswerte und Qualifikationen durch die Zeugnisse belegt werden können. 

Daneben zählt der Gesamteindruck und grobe Unstimmigkeiten, deutliche Auffälligkeiten oder fehlende Angaben können schnell das Aus für die Bewerbung bedeuten. Viele Personaler weisen zwar darauf hin, dass letztlich entscheidend ist, welchen Eindruck der Bewerber durch seine Unterlagen und während des Vorstellungsgesprächs insgesamt hinterlässt.

Aber wenn schon die Angaben im Anschreiben und Lebenslauf mit denen in den Zeugnissen nicht übereinstimmen, ist eher unwahrscheinlich, dass der Bewerber die Chance erhält, sich persönlich vorzustellen. 

Zeugnisse sind damit nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Bewerbungsmappe, allerdings variiert ihre Bedeutung. Generell gilt, dass die Arbeitszeugnisse umso mehr ins Gewicht fallen, je höher die Anforderungen und die notwendigen Qualifikationen für den Job sind. Ab einer gewissen Hierarchiestufe verlieren Zeugnisse dann aber auch wieder an Bedeutung, denn beispielsweise im Top-Management ist der Ruf, der dem Kandidaten vorauseilt, eher der ausschlaggebende Faktor.  

Welche Zeugnisse gehören überhaupt in die Bewerbungsmappe?

Grundsätzlich ist es nicht notwendig und letztlich auch wenig sinnvoll, wirklich jedes Zeugnis und jede Bescheinigung in die Bewerbungsmappe zu packen. Aber allzu sparsam sollte der Bewerber auch nicht sein, denn andernfalls nimmt der dem Personaler die Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild zu machen. In der Praxis hat sich die Strategie bewährt, den Augenmerk auf das Anschreiben und den Lebenslauf zu legen. 

Das bedeutet, der Bewerber sollte in diesen beiden Dokumenten alles das einbringen, was für ihn spricht und ihn zum geeigneten Kandidaten für die Stelle macht.

Unterm Strich sollten Anschreiben und Lebenslauf damit so aufgebaut sein, dass der Personaler von der Eignung, der Qualifikation und der Motivation überzeugt ist und prinzipiell keine weiteren Beweise in Form von Zeugnissen mehr bräuchte. Die Zeugnisse sind dann aber die Nachweise dafür, dass die Angaben tatsächlich der Wahrheit entsprechen, und werten die Bewerbung damit ergänzend auf. 

Für die Auswahl gilt, dass grundsätzlich das Zeugnis des höchsten Bildungsabschlusses sowie die Zeugnisse der drei letzten Arbeitsstellen ausreichen. Hinzu kommen dann Nachweise, die für die Stelle relevant sind, auf alles andere kann verzichtet werden. Wenn in der Stellenbeschreibung beispielsweise ausdrücklich bestimmte Computerkenntnisse gefordert sind, sollte der Bewerber diese Kenntnisse nachweisen. 

Auf Nachweise zu jedem absolvierten Fremdsprachenkurs kann er hingegen verzichten, denn es reicht aus, diese Kenntnisse im Lebenslauf zu erwähnen. Allerdings sollte der Bewerber auf keinen Fall stellenrelevante Zeugnisse weglassen.

Selbst wenn ein Zeugnis schlechter ausgefallen ist oder auf eine Kündigung durch den Arbeitgeber hinweist, ist ein solches Zeugnis noch immer besser, als wenn der Eindruck entsteht, der Bewerber wolle durch das fehlende Zeugnis etwas verbergen.

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