Einkommen und Abgaben: Was sich 2015 für Arbeitnehmer ändert, Teil II

Einkommen und Abgaben: Was sich 2015 für Arbeitnehmer ändert, Teil II

Im ersten Teil zu den Änderungen, die 2015 für Arbeitnehmer mit sich bringt, haben wir über die die Neuerungen im Bereich der Sozialversicherungsbeiträge und die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns berichtet. In diesem zweiten Teil soll es nun darum gehen, welche Veränderungen in Sachen Einkommen und Abgaben sonst noch auf Arbeitnehmer zukommen.

Höhere Pfändungsfreigrenzen

Bisher sieht die Pfändungstabelle 1.045,08 Euro als monatlichen Grundfreibetrag für eine Person vor. Auf diesen Grundfreibetrag haben Gläubiger keinen Zugriff. Sie können also nur das Einkommen pfänden, das über den Grundfreibetrag hinausgeht.

Zum 1. Juli 2015 wird der Grundfreibetrag angehoben. Hintergrund hierzu ist, dass der Gesetzgeber den Grundfreibetrag für das Einkommenssteuergesetz im Januar 2014 erhöht hat. Da der Grundfreibeitrag für das Einkommenssteuergesetz auch als Grundlage für die Pfändungstabelle dient, muss die Pfändungsfreigrenze angepasst werden.

Dabei wird die Pfändungsfreigrenze um rund 2,75 Prozent auf dann ungefähr 1.070 Euro pro Monat angehoben. Die genauen Zahlen wird der Gesetzgeber im Frühjahr 2015 bekanntgeben. Zusammen mit dem Pfändungsgrundfreibetrag werden dann auch die übrigen Freigrenzen, beispielsweise bei unterhaltsberechtigten Personen, erhöht.

Viele Neuerungen für Eltern

Seit dem 1. Januar gibt es das sogenannte Elterngeld plus. Das neue Elterngeld plus können Mütter und Väter in Anspruch nehmen, die ab dem 1. Januar 2015 Eltern werden. Wenn ein Elternteil die Betreuung des eigenen Kindes in den ersten 14 Lebensmonaten übernimmt und deshalb gar nicht mehr oder weniger als 30 Stunden pro Woche arbeitet, wird Elterngeld bezahlt.

Das Elterngeld ist eine Sozialleistung und berechnet sich nach der Höhe des Nettoeinkommens vor der Geburt. Im Normalfall beläuft es sich auf 65 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens, mindestens aber auf 300 Euro und höchstens auf 1.800 Euro monatlich. Gezahlt wird Elterngeld maximal 14 Monate lang.

Bisher konnten Eltern zwar das Elterngeld und die Arbeit in Teilzeit miteinander kombinieren. Allerdings hatte das zur Folge, dass ein Teil ihres Anspruchs auf Elterngeld verloren ging, denn das Arbeitsentgelt wurde auf das Elterngeld angerechnet. Die Anspruchsdauer blieb gleich. Das ändert sich nun durch das Elterngeld plus. Das Elterngeld plus beträgt zwar nur die Hälfte des bisherigen Elterngeldes. Dafür verlängern sich die Elternzeit und der Elterngeldbezug für jeden Monat, in dem ein Elternteil während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten geht, um einen Monat.

Aus einem Monat Elterngeld werden durch die Neuregelung also zwei Monate Elterngeld plus. Pro Monat kommt so zwar nur die Hälfte des Geldes aufs Konto, dafür erfolgen die Zahlungen aber doppelt so lang. Eine weitere Neuerung ist der Partnerschaftsbonus. Er sieht vier weitere Monate Elterngeld plus vor, wenn beide Elternteile arbeiten gehen und ihre Wochenarbeitszeit jeweils zwischen 25 und 30 Stunden beträgt. Alleinerziehende Elternteile, die sich das gemeinsame Sorgerecht mit ihrem Ex-Partner teilen, können den Partnerschaftsbonus ebenfalls in Anspruch nehmen.

Außerdem ist es möglich, das Elterngeld, das Elterngeld plus und den Partnerschaftsbonus miteinander zu kombinieren. Bleibt beispielsweise die Mutter nach der Geburt sechs Monate lang zu Hause, kann sie erst sechs Monate lang volles Elterngeld und danach zwölf Monate lang Elterngeld plus bekommen. Ihr Partner kann zwei Monate lang Elterngeld oder vier Monate lang Elterngeld Plus erhalten. Arbeiten die Eltern anschließend beide mindestens vier Monate lang in Teilzeit, können sie beide in diesen vier Monaten Elterngeld plus in Anspruch nehmen.

Arbeiten beide Elternteile nach der Geburt des Kindes in Teilzeit, können sie beide jeweils 14 Monate lang das Elterngeld plus nutzen. Ab dem 1. Juli 2015 kann die Elternzeit flexibler gestaltet werden. Bislang können Eltern zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag ihres Kindes zwölf Monate lang eine unbezahlte Auszeit von der Arbeit nehmen. Ab Juli 2015 kann die Arbeitspause auf 24 Monate ausgeweitet werden.

Der Arbeitgeber muss seine Zustimmung dazu nicht erteilen. Allerdings muss die Elternzeit beim Arbeitgeber angemeldet werden, und zwar sieben Wochen vor Beginn, wenn das Kind das dritte Lebensjahr noch nicht abgeschlossen hat und 13 Wochen vor Beginn, wenn das Kind älter ist als drei Jahre. Außerdem können beide Elternteile ihre Elternzeit künftig in drei Abschnitten nehmen. Wenn der dritte und letzte Abschnitt der Elternzeit zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes stattfinden soll, kann der Arbeitgeber aber sein Okay aus dringenden betrieblichen Gründen verweigern.

Mit dem Mehrlingszuschlag gibt es noch eine Neuerung. Eltern, die Zwillinge oder Mehrlinge bekommen haben, erhalten zwar Kindergeld. Das Kindergeld wird jedoch nicht für jedes Kind, sondern als pauschale Sozialleistung bezahlt. Daran ändert sich grundsätzlich nichts. Allerdings erhalten Eltern seit dem 1. Januar 2015 den sogenannten Mehrlingszuschlag. Er beläuft sich für jedes weitere Kind auf 300 Euro monatlich.

Höherer Selbstbehalt bei Unterhaltszahlungen

Erwerbstätige, die Unterhalt bezahlen müssen, können seit dem 1. Januar 2015 etwas mehr Geld für sich selbst einbehalten. So wurde der Selbstbehalt bei Unterhaltspflichten gegenüber Kindern, die das 21. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen haben, um 80 Euro erhöht.

Bei erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen ist der Selbstbehalt damit von 1.000 Euro auf 1.080 Euro und bei nichterwerbstätigen Unterhaltspflichtigen von 800 auf 880 Euro gestiegen. Auch die Selbstbehalte bei Unterhaltspflichten gegenüber dem Ehegatten und dem Elternteil eines nichtehelichen Kindes (jetzt 1.200 Euro), gegenüber einem volljährigen Kind (jetzt 1.300 Euro) und gegenüber den Eltern (jetzt 1.800 Euro) wurden angehoben.

Höhere Leistungen bei der Grundsicherung

Zum 1. Januar 2015 sind die Leistungssätze bei der Grundsicherung gestiegen. Diejenigen, die Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Grundsicherung für Arbeitsuchende, Grundsicherung im Alter oder Grundsicherung bei Erwerbsminderung beziehen, können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen.

So wurden die Regelbedarfe um rund zwei Prozent angehoben. Alleinstehende erhalten damit pro Monat 8 Euro (399 Euro), Paare und Bedarfsgemeinschaften 7 Euro (360 Euro), Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 14 Jahren 6 Euro (267 bzw. 302 Euro) und Kinder unter sechs Jahren 5 Euro (234 Euro) mehr.

Höhere Freigrenzen bei Aufmerksamkeiten des Arbeitgebers

Arbeitgeber, die einem Arbeitnehmer zum Geburtstag, zur Hochzeit, zur Geburt eines Kindes, zum Dienstjubiläum oder zu einem anderen persönlichen Anlass ein Geschenk machen möchten, dürfen sich ein wenig spendabler zeigen.

Die Freigrenze für die sogenannten Aufmerksamkeiten des Arbeitgebers wurde nämlich zum 1. Januar 2015 von 40 auf 60 Euro angehoben. Für Sachgeschenke, die die 60-Euro-Grenze nicht überschreiten, werden somit weder Steuern noch Sozialabgaben fällig. Neben Sachgeschenken gehören auch Arbeitsessen und Verpflegung im Betrieb, die kostenfrei oder vergünstigt zur Verfügung gestellt wird, zu den Aufmerksamkeiten. Zuwendungen in Form von Geld hingegen unterliegen in vollem Umfang der Steuerpflicht.

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